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Offener Investmentfonds

Ein offener Investmentfonds, kurz als Fonds bezeichnet, ist ein Konstrukt zur Geldanlage. Eine Investmentgesellschaft (deutscher Fachbegriff: Kapitalanlagegesellschaft) sammelt das Geld der Anleger, bündelt es in einem Sondervermögen – dem Investmentfonds – und investiert es in einem oder mehreren Anlagebereichen. Die Anteilscheine können in der Regel an jedem (Börsen-)Tag gehandelt werden. Das Geld im Fonds wird nach vorher festgelegten Anlageprinzipien z. B. in Aktien, festverzinslichen Wertpapieren, am Geldmarkt und/oder in Immobilien angelegt. Investmentfonds müssen im Regelfall bei der Geldanlage den Grundsatz der Risikomischung beachten, das heißt es darf nicht das gesamte Fondsvermögen in nur eine Aktie oder nur eine Immobilie investiert werden. Durch die Streuung des Geldes auf verschiedene Anlagegegenstände (Diversifikation) wird das Anlagerisiko reduziert.

Mit dem Kauf von Investmentfondsanteilen wird der Anleger Miteigentümer am Fondsvermögen und hat einen Anspruch auf Gewinnbeteiligung und Anteilsrückgabe zum jeweils gültigen Rücknahmepreis. Bei Offenen Immobilienfonds gilt eine juristische Besonderheit: Hier ist die Investmentgesellschaft formal Eigentümerin des Fondsvermögens, und wird deshalb als Eigentümerin der Immobilien ins Grundbuch eingetragen.

Der Anteilswert bemisst sich nach dem Wert des gesamten Fondsvermögens dividiert durch die Anzahl der ausgegebenen Anteile. Das Fondsvermögen wird professionell verwaltet und ist nach deutschem Recht Sondervermögen, das heißt die Anlagen müssen strikt getrennt von dem Vermögen der Gesellschaft gehalten werden. Diese Regelung garantiert den Vermögenserhalt auch bei Insolvenz der Kapitalanlagegesellschaft. Das Sondervermögen steigt durch neue Einlagen von Anlegern und durch Kurs-, Dividenden- und/oder Zinsgewinne bzw. fällt durch Rückerstattung von Anteilen oder Verluste.

Geschlossener Investmentfonds

Das Gegenstück zu offenen Investmentfonds sind geschlossene Fonds (engl. closed-end funds). Sie unterliegen Beschränkungen hinsichtlich der Möglichkeit, jederzeit Anteile von der Kapitalanlagegesellschaft zu erwerben oder zurückzugeben. Alternativ kann ein Verkauf über Handelsplattformen für Anteile an geschlossenen Fonds möglich sein.

In rechtlicher Hinsicht unterscheiden sich offene und geschlossene Fonds in Deutschland dadurch, dass es nur für offene Investmentfonds eine spezielle Regelung gibt, nämlich das Investmentgesetz (InvG). Deutsche geschlossene Fonds werden meist als Gesellschaften, z. B. GmbH & Co KG ausgestaltet und unterliegen den allgemeinen Regelungen für die jeweilige Gesellschaftsart.

Offene Fonds und die Kapitalanlagegesellschaften, die sie verwalten, unterliegen gemäß § 5 InvG der Aufsicht der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin). Für deutsche geschlossene Fonds existiert keine vergleichbare Aufsicht. Wenn Anteile an geschlossenen Fonds öffentlich angeboten werden sollen, prüft die BaFin zuvor allerdings, ob dafür ein Prospekt nach den Vorschriften des Verkaufsprospektgesetzes erstellt wurde.

Kategorien & Unterscheidungsmerkmale

Geläufige Möglichkeiten zur Kategorisierung von Fonds:

  • Instrumente, in die investiert wird
  • Geografische Streuung der Investments
  • Spezialstrategien
  • Anlagehorizont
  • Kostenstruktur
  • Management-Typ
  • Börsenzulassung
  • Zielgruppe (Anleger)
  • Risikostruktur
  • Domizil (der Fondsgesellschaft)
  • Sonderformen

Eine der geläufigsten Kategorisierungen von Offenen Investmentfonds ist die nach den Instrumenten, in die der Fonds investiert. Die häufigsten Instrumente sind: Aktien, Fonds, Renten (Anleihen), Geldmarktpapiere, Währungen, Rohstoffe Immobilien etc. Daher resultieren die Fondsarten Aktienfonds, Dachfonds (investieren in andere Fonds), Rentenfonds, Geldmarktfonds, Offene Immobilienfonds etc., wie sie bei geläufigen Fondsrankings verwendet werden. Bei sogenannten Mischfonds wird ebenso auf diese Kategorisierung Bezug genommen: Mischfonds investieren in unterschiedliche Anlageklassen meist in Aktien und Anleihen.

Eine weitere Unterscheidungsmöglichkeit bietet die geografische Streuung der Vermögensgegenstände in Regionen, Länder oder Kontinente, in die ein Fonds nach seinen Anlagebedingungen investieren darf.

Spezialstrategien betreffen eine bestimmte inhaltliche Fokussierung des Managements, z.B. ethische Gesichtspunkte oder auch die Nachbildung eines bestimmten Index. Ethikfonds treffen ihre Anlageentscheidung auch unter ethischen Aspekten. Sie investieren z. B. in Wind und Solarenergie oder unter Berücksichtigung religiöser Vorschriften. Indexfonds bilden einen bestimmten Index, wie z. B. den DAX nach; dies erfolgt automatisch, ohne aktives Management.

Offene Investmentfonds können nach dem Anlagehorizont (wird das Fondsvermögen kurzfristig investiert & häufig umgeschichtet oder langfristig investiert) sortiert werden. Es gibt Investmentfonds mit kurzfristigem, mittelfristigem oder langfristigem Anlagehorizont. Der Anlagehorizont ist dabei analog für die zeitlichen Pläne des Anlegers relevant.

Ein typisches Beispiel für Fonds, die vor allem für langfristig orientierte Anleger geeignet sind, sind Offene Immobilienfonds. Im Gegensatz dazu können z. B. viele Geldmarktfonds gut genutzt werden, um Geld nur kurzfristig zu „parken“. Laufzeitfonds sind zeitlich begrenzt und werden am Ende der Laufzeit aufgelöst.

Auch unterscheiden sich offene Fonds in ihrer Kostenstruktur (siehe Kosten). Es gibt Fonds ohne Ausgabeaufschlag (Agio). Diese werden oft unter der Bezeichnung Tradingfonds (auch No Load Funds genannt) geführt. Diese Fonds haben üblicherweise höhere jährliche Verwaltungsgebühren. Auf der anderen Seite gibt es Fonds mit Ausgabeaufschlag (max. 5–6 %), diese werden manchmal als Classicfonds (CF) oder Anteilsklasse A bezeichnet. Eine Besonderheit stellen in diesem Zusammenhang Multi Class Fonds dar. Ein Multi Class Fonds besitzt mehrere Anteilsklassen, die alle ihre eigene Kostenstruktur besitzen. Alle Klassen des Multi Class Fonds investieren jedoch in die selben Bestände.

Eine weitere Unterscheidung ist die Art, wie der Fonds gemanagt wird. Bei einem aktiv gemanagten Fonds entscheiden Fondsmanager darüber, welche Wertpapiere oder anderen Vermögensgegenstände für den Fonds gekauft werden sollen. Sie versuchen dabei, im Rahmen der Anlagebedingungen möglichst gewinnversprechende Anlagen „herauszupicken“. Der Wertzuwachs des Fonds hängt hier wesentlich von der Einschätzung und den Fähigkeiten des Fondsmanagements ab. Bei sogenannten passiv gemanagten Fonds wird hingegen ein bestimmter Index genau nachgebildet, oder die Anlage des Fondsvermögens erfolgt auf Basis festgelegter Formeln. Dadurch sind niedrigere Kosten möglich, weil das Fondsmangement weniger aufwendig ist. Auf der anderen Seite besteht im Gegensatz zum aktiven Management keine Möglichkeit zum „Rosinenpicken“. Eine weiteren Unterkategorie des Management-Typs bilden Multi Manager Fonds. Diese werden von verschiedenen Managern verwaltet, wodurch Risiken weiter vermindert werden sollen.

Man kann offene Fonds auch danach unterscheiden, ob sie eine Börsenzulassung haben („Exchange-traded funds“, kurz ETF) oder nicht. Wenn Fondsanteile an der Börse gehandelt werden dürfen, besitzen sie eine größere Fungibilität. Das heißt, man kann sie leichter kaufen und verkaufen. Außerhalb der Börse können Anteile von der Investmentgesellschaft direkt oder über Banken oder Finanzvertriebe gekauft werden (siehe Erwerb von Fondsanteilen). Wenn man die Anteile wieder verkaufen möchte, kommt meist nur die Rückgabe an die Investmentgesellschaft in Frage. Der Weiterverkauf von Anteilen an eine andere Person ist zwar zulässig; in der Praxis geschieht dies jedoch sehr selten.

Eine weitere Klassifikationsmöglichkeit sind die Zielgruppe der Anleger, für die ein Fonds aufgelegt wird. Spezialfonds sind laut Investmentgesetz Fonds, die ausschließlich für juristische Personen, Institutionelle Anleger wie z. B. Versicherungen, Stiftungen oder Banken aufgelegt werden. „Natürliche Personen“, also einzelne Menschen, dürfen keine Anteile an diesen Fonds erwerben. Hingegen sind Publikumsfonds Fonds, deren Anteile auch den Kleinanlegern zum Kauf angeboten werden können.

Zur Klassifikation nach dem Risiko von Fonds existieren als Unterkategorien der Offenen Investmentfonds z.B. Hedgefonds und Garantiefonds. Hedgefonds (offizielle Bezeichnung: „Sondervermögen mit zusätzlichen Risiken“ bzw. „Dach-Sondervermögen mit zusätzlichen Risiken“) dürfen erst seit Anfang 2004 in Deutschland aufgelegt werden. Allerdings dürfen Anteile an Single-Hedgefonds nicht öffentlich vertrieben werden. Dies ist nur bei Dach-Hedgefonds möglich, also bei Fonds, die ihrerseits wieder in Anteile von verschiedenen Single-Hedgefonds anlegen. Bei Garantiefonds verspricht dem Anleger die Kapitalanlagegesellschaft oder ein Dritter ein bestimmtes Mindestergebnis aus der Fondsanlage, wie z. B. den Kapitalerhalt binnen eines bestimmten Anlagezeitraums.

Offene Investmentfonds kann man weiterhin danach unterscheiden, in welchem Land sie aufgelegt wurden. In Deutschland werden nicht nur deutsche Fonds angeboten, sondern auch eine Vielzahl von Anteilen an ausländischen Fondsprodukten, insbesondere aus Luxemburg. Dabei wird lediglich der öffentliche Vertrieb der Fondsanteile in Deutschland durch das deutsche InvG geregelt und unterliegt der Aufsicht der BaFin. Der ausländische Fonds ist dagegen nach den Regeln seines Heimatstaats ausgestaltet, und steht unter der Aufsicht der dortigen Behörden.

Schließlich werden stets neue Arten von Offenen Investmentfonds entstehen, welche sich aufgrund von Innovationen oder gesetzlichen Rahmenbedingungen entwickeln. Ein Beispiel für letzteres sind Altersvorsorge-Fonds. Diese AS-Fonds enthalten zu mind. 51 % Aktien und Anteile an Offenen Immobilienfonds. Sie sind, wie der Name schon sagt, regelmäßig mit einem langfristigen Sparplan des Anlegers zur privaten Altersvorsorge verbunden.

Kosten

Die Kosten eines Fonds setzen sich aus folgenden Positionen zusammen:

  • Ausgabeaufschlag und/oder Rücknahmeabschlag,
  • Verwaltungsgebühr der Investmentgesellschaft,
  • gegebenenfalls erfolgsabhängige Vergütung der Investmentgesellschaft,
  • Depotbankgebühr.

Bei Festsetzung des Ausgabepreises für neue Fondsanteile rechnen die Investmentgesellschaften dem Anteilwert meist einen Ausgabeaufschlag hinzu. Der Aufschlag wird in % des Anteilwertes berechnet. Wenn also z. B. der Anteilwert 100 Euro ist und der Ausgabeaufschlag 3 % beträgt, zahlt der Anleger für einen Anteil 103 Euro. Davon fließen 100 Euro in den Fonds und 3 Euro an die Investmentgesellschaft bzw. deren Vertrieb. Der Ausgabeaufschlag stellt im Wesentlichen eine Vergütung für den Vertrieb der Anteile dar. Häufig liegen die Ausgabeaufschläge von Aktienfonds und Immobilienfonds bei 3 % bis 7%, in Rentenfonds bei ca. 3 % und in Geldmarktfonds bei 0 %. Im Direktvertrieb über das Internet wird teilweise auf Ausgabeaufschläge verzichtet, wobei dann die Verwaltungsgebühr des Fonds höher ausfallen kann. In der Verwaltungsgebühr ist unter anderem eine Bestandsprovision enthalten, von der sich Discountanbieter im Wesentlichen finanzieren.

Falls die Anlagebedingungen eines Fonds Rücknahmeabschläge vorsehen, wird bei Rückgabe von Fondsanteilen an die Investmentgesellschaft eine Art „umgekehrter Ausgabeaufschlag“ berechnet: Beträgt der Anteilwert z. B. 100 Euro und der Rücknahmeabschlag 3 %, bekommt der Anleger für seinen Anteil nur 97 Euro ausgezahlt. 3 Euro verbleiben im Fondsvermögen und dienen meist dazu, Transaktionskosten in Zusammenhang mit der Anteilsrückgabe zu decken. Dieser Rücknahmeabschlag wird in der Fachsprache „Disagio“ genannt.

Die jährlichen Verwaltungsgebühren der Investmentgesellschaft stellen deren Entgelt für die Verwaltung des Fonds dar. Sie liegen im Allgemeinen bei 0,1 bis 1,75 %, die sich aus dem Nettoinventarwert des Fonds berechnen und aus diesem entnommen werden. Die jährlichen Managementgebühren von Indexfonds liegen bei durchschnittlich nur etwa 0,45 %.

Bei einigen Fonds sehen die Anlagebedingungen neben der Verwaltungsvergütung noch besondere Erfolgsvergütungen für die Investmentgesellschaft vor. Diese Erfolgsprämien erhält die Investmentgesellschaft aus dem Fondsvermögen nur, wenn festgelegte Ereignisse eintreten, z. B. Übertreffen eines bestimmten Vergleichsmaßstabs (Benchmark) oder Erzielung eines bestimmten Gewinns für den Fonds.

In Deutschland ist -wie in vielen anderen Ländern- gesetzlich vorgeschrieben, dass die Vermögensgegenstände eines Fonds bei einer Depotbank hinterlegt werden müssen. Die Depotbank berechnet dem Fonds dafür eine jährliche Gebühr, deren Berechnung in den Anlagebedingungen geregelt ist. Meist wird sie als Promillesatz des Fondsvermögens berechnet.

Schließlich können die Anlagebedingungen vorsehen, dass bestimmte Kosten, die für den Fonds entstehen, von der Investmentgesellschaft separat aus dem Fondsvermögen bezahlt werden dürfen. Hierbei kann es sich z. B. um das Honorar des Wirtschaftsprüfers handeln, der den Jahresbericht des Fonds prüft.

Alle Umschichtungen des Fondsvermögens verursachen zudem Transaktionskosten. Bei Aktienfonds geht man von einer durchschnittlichen jährlichen Umschichtungsquote (PTR – Portfolio Turnover Ratio) von 1,5 aus. Da die Bank, die die Transaktionen durchführt und dafür Gebühren erhält, oftmals zum Konzern der Kapitalanlagegesellschaft gehört, können Interessenkonflikte auftreten, wenn zu viele Umschichtungen erfolgen oder die vereinbarten Gebührensätze überhöht sind.

Bei Indexfonds sind Umschichtungen nur erforderlich, wenn sich die Zusammensetzung des zugrundeliegenden Indexes ändert oder das Fondsmanagement auf Mittelzu- oder -abflüsse reagieren muss. Bei Indexfonds geht man daher von einer durchschnittlichen jährlichen Umschichtungsquote von nur 0,2 aus.

Die zentrale Kennzahl zur Einschätzung der Gebühren der Fondsgesellschaft insgesamt (außer Ausgabeaufschlag) ist die Total-Expense-Ratio (TER).

Vorteile eines offenen Investmentfonds

Über Investmentfonds können auch Kleinanleger in Vermögensgegenstände und Märkte investieren, die ihnen ansonsten verschlossen blieben. Geldanlage in Investmentfonds ist sowohl mit Sparplänen ab ca. 25 € monatlich möglich, als auch mit Einmalanlagen. Aufgrund der Bündelung von vielen u. U. sehr kleinen Anlagebeträgen im Fonds kann dieser an den Finanzmärkten als Großkunde auftreten. Die Investmentgesellschaft kann dann günstigere Konditionen aushandeln und wirtschaftlicher bzw. kostengünstiger investieren, als dies dem einzelnen (Klein-)Anleger möglich wäre. Hinzu kommt, dass die Investmentgesellschaften die Auswahl von Anlagegegenständen, Beobachtung von Märkten etc. professionell betreiben und der Anleger davon profitiert, ohne sich selbst entsprechendes Fachwissen aneignen zu müssen.

Da Investmentfonds den Grundsatz der Risikostreuung beachten müssen, ist das Anlagerisiko geringer als bei einem direkten Investment in einen einzigen Vermögensgegenstand.

Fondsanteile können in der Regel börsentäglich zum Anteilwert (ggf. abzüglich eines Rückgabeabschlags, siehe Kosten) an die Investmentgesellschaft zurückgegeben werden. Das heißt, der Anleger kann schnell und ohne großen Aufwand wieder „aussteigen“, wenn er Geld benötigt oder meint, eine bessere Anlageform gefunden zu haben.

Da die Anlegergelder zu einem Sondervermögen gehören und nicht Teil des Vermögens der Investmentgesellschaft sind, ist selbst im Falle eines Konkurses der Investmentgesellschaft oder der Depotbank das Geld der Anleger sicher. Im Falle einer Insolvenz der Investmentgesellschaft kümmert sich die Depotbank um die Liquidierung der Gelder und die sofortige Auszahlung an die Anteilseigner. Fonds unterliegen in Deutschland der staatlichen Genehmigung und Aufsicht durch die BaFin. Kaum eine andere Anlageart ist in dieser Hinsicht so sicher und gut überwacht.

Die Kosten sind transparenter als bei vergleichbaren anderen Anlageformen. Die maximale Höhe der Verwaltungsvergütung und der Depotbankvergütung werden bereits in den Vertragsbedingungen festgelegt, ebenso eine Liste der Kosten, die aus dem Fondsvermögen gezahlt werden dürfen. In den Jahresberichten wird die konkrete Höhe der tatsächlich angefallenen Vergütungen und Kosten genau ausgewiesen. Demgegenüber sind die Kosten von Zertifikaten für einen Anleger nicht ersichtlich, denn sie werden vom Emittenten als Differenz zwischen Emissionspreis und einem fairen Marktwert gleich bei Ausgabe der Zertifikate einbehalten und an keiner Stelle veröffentlicht. Auch bei Lebensversicherungsverträgen fehlt es an einer auch nur halbwegs vergleichbaren Transparenz.

Gesetzliche Grundlagen

Deutschland

Die rechtlichen Grundlagen finden sich im Investmentgesetz und im Investmentsteuergesetz. Offene Investmentfonds werden in Deutschland entweder als Sondervermögen oder als Investmentaktiengesellschaft ausgestaltet. Ein Sondervermögen muss von einer Kapitalanlagegesellschaft verwaltet werden. Eine Investment-AG kann ebenfalls von einer Kapitalanlagegesellschaft verwaltet werden („Fremdverwaltung“), es besteht aber auch die Möglichkeit der Selbstverwaltung. In allen Fällen ist das Fondsvermögen vom Vermögen der Kapitalanlagegesellschaft getrennt. Die in Deutschland aufgelegten Fonds sowie der öffentliche Vertrieb von ausländischen Investmentfonds in Deutschland unterliegen der Aufsicht der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin).

Staatliche Anreize

Vermögenswirksame Leistungen 

Der Staat hilft Arbeitnehmern beim Aufbau eines Fondsdepots mit finanziellen Anreizen. Wer seine vermögenswirksamen Leistungen (VL) in für VL sparen zugelassenen Fonds anlegt, kann eine Sparzulage von maximal 80€ pro Jahr (= 20 % von 400€) erhalten. Unter bestimmten Voraussetzungen (z.B. mind. 60 % Aktienanteil) kommen auch Dachfonds und gemischte Wertpapier- und Grundstücks-Sondervermögen in den Genuss der Förderung. Die Einkommensgrenzen betragen 20.000€ für Ledige und 40.000€ bei Zusammenveranlagten. Liegt das zu versteuernde Einkommen unter diesen Grenzen, erhält man die Zulage. (Stand 04/09)

Riester-Rente mit offenen Investmentfonds 

Bei der Riester-Rente werden bestimmte, von Investmentgesellschaften, Kreditinstituten und Versicherungen angebotene Produkte gefördert, aus denen vom 60. Lebensjahr oder vom Beginn einer Altersrente des Anlegers an ein lebenslanges monatliches Einkommen fließt.

Bei der Anlage in Investmentfonds kann ein Auszahlplan mit festen und variablen Auszahlungen vereinbart werden. Dabei können bis zu 30 % des angesparten Kapitals zu Beginn der Auszahlphase ausgezahlt werden. Bei allen geförderten Anlagen muss zugesagt sein, dass mindestens die eingezahlten Beträge wieder ausgezahlt werden. Ob die angebotenen Altersvorsorgeprodukte die vorgeschriebenen Förderkriterien erfüllen, ist von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht vor Angebotsbeginn zu bestätigen.

Investmentfonds werden im Rahmen der Riester-Rente sowohl direkt als auch indirekt (über fondsgebundene Produkte) eingesetzt. Die Angebote der Investmentgesellschaften kombinieren die renditestarke Anlage in Aktienfonds mit dem auch kurzfristig wertstabilen Investment beispielsweise in Rentenfonds. Der Aktien(fonds)anteil bei einem Riester-Fondsangebot kann durch das Lebensalter des Anlegers bestimmt sein. In diesem Fall gilt die Daumenregel „Je jünger der Anleger, desto höher der Aktienanteil“. Gemanagte Fondssparpläne können auch vorsehen, dass der Aktienanteil in Abhängigkeit von der aktuellen Marktlage variiert. In diesem Fall spielt das Alter des Anlegers keine Rolle.

Zur Wahl stehen Konzepte, bei denen die eigentliche Fondsauswahl ausschließlich durch die Investmentgesellschaft erfolgt sowie Angebote, bei denen der Anleger Einfluss auf die konkrete Fondsauswahl nehmen kann. Damit wird den unterschiedlichen Bedürfnissen der Anleger Rechnung getragen. Die konkrete Auswahl eines Riester-Fondsprodukts sollte in einem Gespräch mit einem Anlageberater erfolgen.

Voraussetzung für die staatliche Förderung ist immer die Garantie einer lebenslangen Leibrente. Da das biometrische Risiko der Langlebigkeit nicht von Investmentfonds getragen werden kann, verpflichtet die BaFIN die Anbieter für jeden Sparer einen zusätzlichen Rentenversicherungsvertrag abzuschließen. Die Beiträge hierzu werden mit Rentebeginn aus dem angesparten Kapital entnommen. Die Beitragshöhe ist unsicher. Die Rentenzahlungen aus dem Versicherungsvertrag beginnen i. d. R. mit dem 85. Lebensjahr.

Steuerliche Aspekte

Die Besteuerung von Investmentfonds richtet sich nach dem Investmentsteuergesetz und hat sich aufgrund der Unternehmensteuerreform 2008 sowie dem Jahressteuergesetz 2008 und dem Jahressteuergesetz 2009 verändert:

Regelung bis 31. Dezember 2008 

Soweit Investmentfonds die Voraussetzungen des § 5 InvStG erfüllen (Veröffentlichungspflichten, sog. Volltransparenz), werden Ausschüttungen und thesaurierte Erträge des Investmentfonds steuerrechtlich grundsätzlich so behandelt, als hätte sie der Anteilsinhaber unmittelbar selbst erwirtschaftet. Im Einzelnen ergibt sich folgendes:

  • Laufende Investmenterträge, insbesondere Zinseinnahmen und Dividenden, sind stets auch ohne Ausschüttung steuerbar und werden dem Anleger am Geschäftsjahresende des Investmentfonds zugerechnet
  • Außerordentliche Gewinne, insbesondere Kursgewinne, die auf Ebene des Fonds erzielt werden, sind auch bei Veräußerung innerhalb der Jahresfrist für private Veräußerungsgeschäfte stets steuerfrei; dies gilt für Privatanleger sowohl im Falle der Ausschüttung als auch im Falle der Thesaurierung der Veräußerungsgewinne
  • Die Rückgabe oder der Verkauf von Investmentanteilen, die der Anleger im Privatvermögen hält, ist nur unter den Voraussetzungen des § 23 EStG (Haltedauer von unter einem Jahr) ein steuerpflichtiger Vorgang. Nach § 8 Abs. 5 InvStG ist das Halbeinkünfteverfahren nicht auf den Verkauf oder die Rückgabe von Investmentanteilen des Privatvermögens anzuwenden

Je nach Investmentansatz und Wertpapierstruktur können die Erträge eines Investmentfonds zu 100 % steuerpflichtig oder sogar zu 100 % steuerfrei sein. Ersteres gilt im Wesentlichen für Geldmarkt- und Rentenfonds, letzteres eher für spekulativere Aktienfonds.

Regelung ab 1. Januar 2009 

Die vom Fonds ausgeschütteten Gewinne aus Veräußerungen von nach dem 31. Dezember 2008 erworbenen Wertpapieren (z. B. festverzinslichen Wertpapieren, Aktien und Zertifikaten) gelten zukünftig unabhängig von der Haltedauer als steuerpflichtige Kapitalerträge und unterliegen der Abgeltungsteuer. Gewinne aus der Veräußerung von vor dem 1. Januar 2009 erworbenen Wertpapieren können auch weiterhin steuerfrei an Privatanleger ausgeschüttet werden. Soweit die von Investmentfonds erzielten Wertpapierveräußerungsgewinne allerdings thesauriert werden, sind sie auf Ebene des Anlegers nach wie vor nicht steuerpflichtig.

Gewinne aus dem Verkauf von nach dem 31. Dezember 2008 erworbenen Fondsanteilen gehören zu den steuerpflichtigen Kapitalerträgen und unterliegen der Abgeltungsteuer. Gewinne aus dem Verkauf von vor dem 1. Januar 2009 erworbenen Fondsanteilen bleiben außerhalb der Spekulationsfrist von einem Jahr steuerfrei.

Österreich

In Österreich erfolgt die gesetzliche Regelung durch das Investmentfondsgesetz (InvFG) 1993 welches zuletzt 2008 (BGBl I 2008/69) novelliert wurde. Risikomischung und komplexe Zusammensetzung sind in Deutschland und in Österreich gesetzlich vorgeschrieben.

Schweiz

In der Schweiz erfolgte die gesetzliche Regelung durch das „Bundesgesetz über die Anlagefonds“ (SR 951.31).

Seit dem 1. Januar 2007 ist das „Bundesgesetz über die Anlagefonds“ durch das „Bundesgesetz über die kollektiven Kapitalanlagen (Kollektivanlagengesetz, KAG)“ ersetzt worden.

Abkürzungen:

  • KAG: Bundesgesetz über die kollektiven Kapitalanlagen
  • LPCC: Loi fédérale sur les placements collectifs de capitaux
  • CISA: Collective Investment Schemes Act

Teilweise wird auch der Begriff Sammelvermögen verwendet. Ein Sammelvermögen kann aber auch die Vermögensmasse aufgrund einer Sammlung zugunsten eines gemeinnützigen Zwecks sein.

Liechtenstein

In Liechtenstein erfolgt die gesetzliche Regelung durch das Gesetz über Investmentunternehmen (IUG) vom 19. Mai 2005. Die Aufsicht wird durch die FMA Finanzmarktaufsicht Liechtenstein sichergestellt. Die Regulierung entspricht europäischen Standards.

Das IUG kennt drei Fondstypen:

  • Investmentunternehmen für Wertpapiere (oder Investmentfonds) sind entsprechend der EU-Richtlinie 85/611/EWG (geändert durch die Richtlinien 2001/107/EG und 2001/108/EG) konzipiert, erfüllen alle Anforderungen des Anlegerschutz und verfügen auf Grund der Mitgliedschaft Liechtensteins im Europäischer Wirtschaftsraum (EWR) über den Europa-Pass – sie werden auch als OGAW oder UCITS bezeichnet.
  • Investmentunternehmen für andere Werte werden durch das nationale Liechtensteinische Fondsrecht (IUG) reguliert. Fonds dieses Typs sind sehr liberal reguliert und unterliegen nur den grundlegenden Anforderungen von Diversifikation und Anlegerschutz – erlauben darüber hinaus aber die Abbildung individueller Anlageziele. Eine Unterkategorie stellen Investmentunternehmen mit erhöhtem Risiko dar – hier erfolgt die Regulierung von Hedge-Fonds und anderen Alternativen Anlagen.
  • Investmentunternehmen für Immobilien spielen heute in Liechtenstein keine Rolle – aktuell wird dieser Fondstyp nicht genutzt.

Die drei Fondstypen können in zwei Rechtsformen aufgesetzt werden:

  • Anlagefonds (vertragliche Form als Kollektivtreuhänderschaft (Unit Trust), in Luxemburg auch FCP genannt)
  • Anlagegesellschaft (körperschaftliche Form, in Luxemburg auch SICAV oder SICAF genannt.

 

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